Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei. Elbtal-Dorchheim. Bürgermeister-Kandidat Markus Hannappel wollte der Elbtaler Feuerwehr eigentlich nur etwas Gutes tun: Nach Berichten über Probleme mit dem neuen Digitalfunk holte Hannappel einen der Funkmesswagen mitsamt Experten aus seinem Präsidium ans Feuerwehrgerätehaus. Doch Amtsinhaber Hubert Lenz sieht sich zur Neutralität im Wahlkampf verpflichtet und sagte deshalb das Gespräch ab ...
 
Die fest im Funkmesswagen verschraubten Funk- und Messgeräte werden von einem Laptop aus gesteuert. Für eilige Einsätze an Bord: ein Blaulicht.
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Die fest im Funkmesswagen verschraubten Funk- und Messgeräte werden von einem Laptop aus gesteuert. Für eilige Einsätze an Bord: ein Blaulicht. Fotos: Hüls

Von Christof Hüls

Gemessen haben die Fachleute aus Wiesbaden trotzdem. Ihr Ergebnis: Zumindest direkt vor dem Feuerwehrgerätehaus in Dorchheim, wo es die Probleme geben sollte, ist eigentlich alles in Ordnung.

Wenn’s brennt, Menschen in Not sind oder andere Gefahren drohen, dann ist Kommunikation für die Helfer fundamental wichtig. Doch Berge, dichte Wälder und ländliche, kaum besiedelte Bereiche erschweren in ländlichen Regionen wie dem Kreis Limburg-Weilburg den Kontakt unter den Helfern. Deshalb rüsten Bund und Länder seit Jahren nach und nach um auf modernen Digitalfunk.

Aufbauarbeit

Vereinfacht erklärt: Es können nun mehr Teilnehmer gleichzeitig sprechen und die Qualität ist deutlich besser. Aber wie bei jeder Technik, gibt es Umstellungsprobleme.

Seit Februar steht das Netz im Kreis Limburg-Weilburg. Bürgermeister Hubert Lenz berichtete in der letzten Gemeindevertreterversammlung von Problemen in Dorchheim. Im Zuschauerraum wurde Markus Hannappel hellhörig. Er arbeitet bisher beim Hessischen Landeskriminalamt und leitet dort den Bereich „Digital-Infrastruktur“ im Polizei-Präsidium für Technik, Logistik und Verwaltung. Das heißt: Seine Leute bauen die neue Digitaltechnik im Land auf. Sie messen, suchen Standorte für Sendestationen, verhandeln mit Grundstücks- oder Gebäudebesitzern, lassen die Technik montieren. Wenn’s Probleme gibt, fahren Techniker aus Wiesbaden mit Funkmesswagen raus und entwickeln Lösungen.

„Neutralität wahren“

Auf dem kurzen Dienstweg wollte Hannappel nun der Feuerwehr an seinem Wohnort helfen und stimmte mit Bürgermeister Lenz und Feuerwehr den Termin am Dienstag in Dorchheim ab.

Am Wochenende bekam Bürgermeister Lenz aber offenbar Zweifel. „Zur Wahrung der Neutralität“ in der letzten, heißen Phase des Wahlkampfes lehnte er den Termin mit Presse und Kreisbrandmeister ab.

So stand Hannappel am Dienstag mit den Kollegen aus Wiesbaden, dem funktechnischen Koordinator Carsten Czerwinski und dem stellvertretenden Leiter Technik, Volker Uhr, allein vor dem Feuerwehrgerätehaus.

Volker Uhr und Carsten Czerwinski vom Polizei-Präsidium für Technik, Logistik und Verwaltung prüften auf Initiative von Markus Hannappel den digitalen Funkempfang im Bereich des Feuerwehr-Gerätehauses in Elbtal-Dorchheim. Sie fanden keinen Fehler. Fotos: Hüls
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Volker Uhr und Carsten Czerwinski vom Polizei-Präsidium für Technik, Logistik und Verwaltung prüften auf Initiative von Markus Hannappel den digitalen Funkempfang im Bereich des Feuerwehr-Gerätehauses in Elbtal-Dorchheim. Sie fanden keinen Fehler. Fotos: Hüls

Die Technik in ihrem Messwagen zeigte vor dem Gebäude keine Probleme. Volker Uhr deutete auf sein Laptop: Funkgeräte bekommen dort sogar Kontakt zu fast einem Dutzend Sendern zwischen Rennerod, Ellar und Waldbrunn, davon fünf mit voller Stärke. Natürlich könnte es im Gerätehaus anders aussehen, räumte Volker Uhr ein. Jede Mauer schirmt Signale ab. Aber das konnten die Fachleute nun nicht klären. Kabelbrüche oder falsch eingestellte Geräte könnten die Ursache sein für die Probleme in Elbtal – Mutmaßungen, die von außen nicht zu klären sind. Und natürlich gibt es den Faktor Mensch. Über Jahrzehnte mit den Macken der alten analogen Technik vertraut, muss er sich zunächst mit neuen Geräten vertraut machen.

Probleme in Münster

Hannappel holte eine große Landkarte hervor und breitete sie auf der Motorhaube des Messwagens aus. Dicke grüne Streifen entlang der Hauptstraßen zeigen, wo die Messwagen aus Wiesbaden entlang gefahren sind und optimale Funkbedingungen ausgemacht haben. Überall, wo Menschen wohnen und asphaltierte Straßen liegen, sollen möglichst optimale Bedingungen für die Retter herrschen. Nicht überall ist das bereits gelungen. Münster beispielsweise sei im Moment „Hessens dunkelster Ort“, beschrieb es Volker Uhr. Auf der Karte ist der Selterser Ortsteil tief rot gekennzeichnet. Für eine Verbindung aus diesem Funkloch heraus muss ein Funker – zum Beispiel eine mobile Einsatzleitung am Rand – im „grünen Bereich“ stehen und „vermitteln“. Aber sein Haus arbeitet dran, der Antrag zum Bau einer zusätzlichen Sendestation ist auf dem Behördenweg nach Berlin. Solchen Störmeldungen wie jetzt aus Elbtal ist genau der Auftrag für die Abteilung des Wiesbadener Polizei-Präsidiums.

Uhr vergleicht das Digitalfunknetz es mit den Netzen der großen Mobilfunkanbieter. Im Grunde baue der Staat als Provider ein eigenes Netz für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste. Kein anderes Bundesland sei dabei so dicht mit Sendern ausgestattet wie Hessen. Das liege daran, dass hier über diese Technik auch alarmiert wird und die Signale deshalb auch dicke Hausmauern durchdringen müssen.

403 Basisstationen stehen in Hessen, im Endausbau werden es voraussichtlich 420 sein. Allein die Funktechnik kostet pro Basisstation rund 100 000 Euro. Hinzu kommen Masten, Stromleitungen, die Kosten für ein Grundstück etc. Durchschnittlich koste jede Station eine Viertelmillion Euro, weiß Uhr. Aber schließlich geht es um Menschenleben, Gefahrenabwehr und Sicherheit.

INFO

Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) – hierzu gehören Feuerwehr Polizei, THW und andere Hilfsorganisationen – verständigen sich inzwischen rausch- und störgeräuschefrei per Digitalfunk. Das bundesweit einheitliche Netz soll bis zu einer halben Million Nutzer gleichzeitig verkraften.

Die Geräte sind abhörsicher und können auch Daten versenden. Von daher drängt sich eher ein Vergleich mit dem Mobilfunk auf.

Bundesweit wurde die Technik vom Luft- und Raumfahrtkonzern EADS geliefert. Die Bundesländer, Kreise und Organisationen stellten in mehreren Teilschritten um. Neben den Sendern mussten oder müssen natürlich sämtliche Funkgeräte neu angeschafft werden, was beispielsweise von den Kommunen als Träger der Feuerwehren erhebliche Investitionen erforderte. In der ersten Umstellungsphase gab es erhebliche Probleme, die jedoch inzwischen behoben sein sollen.

[Hier] finden Sie mehr zum Thema Digitalfunk.

Hinweis: Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei.

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